Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg - ihre Entstehungsgeschichte, ihre Arbeit in der Vergangenheit und ihre aktuellen Aktivitäten

(Beitrag der DPG Hamburg für das Buch"Dialog der Bürger. Die gesellschaftliche Ebene der deutsch-polnischen Nachbarschaft", erschienen im Fibre-Verlag Osnabrück im Oktober 2005)

Entstehungsgeschichte der DPG Hamburg

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. (DPG Hamburg) wurde am 5. Juli 1972 am Rande einer Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft, dem Hamburger Landesparlament, im Sitzungssaal B des Hamburger Rathauses gegründet.

Gründungsmitglieder waren Abgeordnete der SPD-Fraktion der Hamburgischen Bürgerschaft und ein kleiner Kreis von Hamburgerinnen und Hamburgern, die schon auf verschiedenen Ebenen deutsch-polnische Kontakte entwickelt und gepflegt hatten.

Zu diesem Kreis gehörten u. a. auch Mitglieder der Deutschen Beamtenbund-Jugend Hamburg, die erstmals im Jahre 1965 eine Studienfahrt nach Warschau durchgeführt hatte; dieser Studienfahrt folgten ab 1968 bis Mitte der 70er Jahre jährlich weitere Bildungsurlaubsfahrten junger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hamburger Verwaltung, aber auch der Bundesverwaltung wie Zoll, Post und Bahn.

Im Rahmen einer jugendpolitischen Zusammenarbeit der Hamburger Gewerkschaftsjugendorganisationen von DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund), DAG (Deutsche Angestellten-gewerkschaft) und DBB (Deutscher Beamtenbund) im "Aktionszentrum Hamburger Jugendverbände" wurde im Frühjahr 1970 in Hamburg die Ausstellung "25 Jahre Polens West- und Nordgebiete"* präsentiert, die über die "Aktion Sühnezeichen" angeboten wurde. Das "Aktionszentrum Hamburger Jugendverbände" war auch Veranstalter der ersten "Polnischen Tage" in Hamburg, die im Frühjahr 1970 mit über 70 Veranstaltungen stattfanden.

Im Rahmen der Vorbereitungen dieser "Polnischen Tage" wurde im Oktober 1970 der "Arbeitskreis Polen" in Hamburg gegründet, der bis zur Gründung der DPG Hamburg eine Reihe von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen und Studienfahrten nach Polen organisierte. Die Arbeit dieses Arbeitskreises wurde von der Journalistin und Schriftstellerin Annaliese Wulf und dem Beamten und ehrenamtlichen Geschäftsführer der DBB-Jugend Hamburg Gerd Hoffmann geleitet. Diese beiden "Polen-Aktivisten", die die Arbeit des "Arbeitskreises Polen" auf eine breitere gesellschaftliche Basis stellen wollten, initiierten die Gründung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg und luden zur Gründungsver-sammlung im Juli 1972 ein.

Einer der Beweggründe für die Initiative von Annaliese Wulf und Gerd Hoffmann war, den im Dezember 1970 geschlossenen "Warschauer Vertrag" mit Leben zu erfüllen; so wie es Bundeskanzler Willy Brandt nach Unterzeichnung des Vertrages in einem Appell an die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands und Polens gefordert hatte. Auch sollte die Arbeit des Arbeitskreises einen verbindlicheren Rahmen erhalten.

  • d.h. die ehemaligen deutschen Ostgebiete

Ziel der Gesellschaft war es, die Verständigung zwischen dem deutschen und dem polnischen Volk und die zwischenmenschlichen Beziehungen zu fördern.

Die neu gegründete Gesellschaft wandte sich mit dem Aufruf "Friede mit Polen" an die Hamburger Bevölkerung; dieser Aufruf wurde von namhaften Persönlichkeiten des hamburgischen öffentlichen Lebens unterzeichnet, darunter u.a. dem Präsidenten der Hamburgischen Bürgerschaft Herbert Dau und mehreren Senatoren des Hamburger Senats. Der Aufruf trug die "Handschrift" des langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden der Hamburger Gesellschaft Dr. Hanno Jochimsen.

Schon sehr bald nach der Gründung war die Gesellschaft ein Sammelpunkt gemeinsamen Interesses für Mitglieder aller drei damals im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien. Sie fanden sich zu gemeinsamer Arbeit bereit, um einen Konflikt überwinden zu helfen, der damals genau 200 Jahre alt war. Als Leitmotive galten damals

  • das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen sollte nicht Gegenstand innerer politischer
  • Konfrontation sein.
  • die unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen zwischen der Volksrepublik Polen und der
  • Bundesrepublik Deutschland dürfen keine Ausrede dafür sein, für die Verständigung

zwischen Polen und Deutschen nicht zu arbeiten. Die historischen Fehler des nichtmiteinander Sprechens, des nicht aufeinander Zugehens, die schließlich im Inferno des 2. Weltkrieges endeten, dürfen nicht wiederholt werden. Wenn der Friede in Europa gesichert werden soll, dann ist ein erträgliches Verhältnis zwischen Polen und Deutschen wesentliche Voraussetzung.

In der Gründungsphase der Gesellschaft gab es den Versuch, die Hamburger Initiative als Untergliederung in die damals bereits existierende Deutsch-Polnische Gesellschaft Düsseldorf (später: Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland) zu integrieren. Dies wurde aber von den Hamburger Initiatoren abgelehnt, weil eine eigenständige und nicht in irgendeiner Weise fremdbestimmte Arbeit vor Ort in Hamburg begründet werden sollte.

Nach dem die norddeutschen Gesellschaften, die sich 1973 zu einer losen Arbeitsgemein-schaft mit regelmäßigen Treffen in Bad Segeberg zusammen gefunden hatten, Ende der 70er Jahre in Hamburg die Initiative ergriffen hatten, ein deutsch-polnisches Jugendwerk nach dem Vorbild des Deutsch-Französischen Jugendwerks zu gründen und bereits ein Satzungsentwurf vorlag, wurden die Gründungsgesellschaften von der Botschaft der Volksrepublik Polen massiv kritisiert und diese Gründung als unfreundlicher Akt gegenüber Polen bezeichnet. Anschließend wurden die Gesellschaften von polnischer Seite (Botschaft und West-Institut Poznań) aufgefordert, Aktivitäten in Richtung Polen nur noch über die DPG der Bundesrepublik resp. über das West-Institut in die Wege zu leiten. Dieser massive Eingriff ihre Souveränität wurde von den Gesellschaften entschieden zurückgewiesen.

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Die Arbeit der DPG Hamburg

Die Mitgliedschaft der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg spiegelt die gesellschaftliche Struktur der Freien und Hansestadt Hamburg wider; ihr gehören geborene Hamburger/innen ebenso an wie Menschen aus den ehemals deutschen Ostgebieten, aus dem Hamburger Umland und aus Polen.

Die Werbung neuer Mitglieder erfolgt in erster Linie über die unterschiedlichen Veranstaltungen im Rahmen des Arbeitsprogramms der Gesellschaft. Besonders erfolgreich ist die Werbung über die Studienfahrten, die die Gesellschaft regelmäßig organisiert. Als Material dienen ein Faltblatt mit kurzer Darstellung der Gesellschaft, die regelmäßigen Mitteilungen über das aktuelle Programm der Gesellschaft, das auch Hinweise auf Veranstaltungen anderer Träger über Polen enthält, und unser Bundesmagazin DIALOG. Es wird auch bei Veranstaltungen anderer Träger für die Gesellschaft geworben.

Neue Mitglieder möchten in erster Linie den deutsch-polnischen Dialog fördern und mit ihrer Mitgliedschaft zu einer dauerhaften positiven Entwicklung zwischen beiden Völkern beitragen.

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der Republik Polen ist sehr intensiv. Es findet ein ständiger Informationsaustausch zwischen dem GK und der Gesellschaft statt. Veranstaltungen werden nach gegenseitiger Absprache organisiert bzw. es wird wechselseitig der jeweilige Empfängerkreis von Informationen über Veranstaltungen informiert.

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg informiert ihre Mitglieder und einen Kreis von Interessenten/tinnen regelmäßig in Form von "Mitteilungen" über die eigenen Veranstaltungen und über Veranstaltungen anderer Träger mit deutsch-polnischen Bezug; diese Mitteilungen erscheinen etwa alle acht Wochen. Sie ist mit einer eigenen Homepage unter www.dpg-hamburg.de im Internet vertreten. Da Hamburg mit der Springer-Presse eine leider sehr einseitige "Printmedien-Landschaft" besitzt, ist das Echo auf Pressemeldungen (z.B. für die Veranstaltungswerbung) sehr gering. Daraus ergibt sich, dass auch kaum Redaktionsbeiträge über Veranstaltungen gebracht werden. Die Teilnahme an unseren eigenen Veranstaltungen ist unterschiedlich und könnte generell besser sein.

Schon von Beginn ihrer Tätigkeit an hat die DPG Hamburg für ihre Verständigungsarbeit die Zusammenarbeit mit Hamburger Institutionen und Organisationen gesucht. Besonders intensiv war bzw. ist die Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie Hamburg, der Evangelischen Akademie Hamburg (leider nicht mehr existent), der Neuen Gesellschaft Hamburg, der Landeszentrale für politische Bildung, der Senatskanzlei, der Behörde für Bildung und Sport, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Handelskammer Hamburg, der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Einer der Schwerpunkte der Arbeit der Gesellschaft in ihrer Anfangsphase und bis in die Gegenwart war die Unterstützung von deutsch-polnischen Aktivitäten im Bildungsbereich, die insbesondere von Vorstandsmitgliedern getragen wurden, die als Lehrer oder Schulräte die Kontakte nach Polen zu intensivieren suchten. Herausragendes Beispiel dieser Aktivitäten waren die Lehrerbildungsreisen des Hamburger Instituts für Lehrerfortbildung, die schon Anfang der 60er Jahre durchgeführt und Anfang der 70er Jahre in Studienreisen auf Gegenseitigkeit weiter entwickelt wurden. Die DPG Hamburg hat es sich von 1973 an nicht nehmen lassen, jede polnische Reisedelegation jeweils in eigenen Veranstaltungen zu begrüßen und zu betreuen. Unsere Gesellschaft unterstützte darüber hinaus tatkräftig die Organisation von Schülerwettbewerben, Schüleraustauschbegegnungen und Schulpartnerschaften. Besonders bemerkenswert war die zwischen dem Hamburger Landesschulrat und dem Warschauer Kurator für das Schulwesen bereits Ende der 80er Jahre vereinbarte Entwicklung eines Lehrplans zum Thema Friedenserziehung, dem in den 90er Jahren weitere Pläne zu den Themen Umwelterziehung und Europa folgten; diese Lehrpläne wurden von Warschauer und Hamburger Lehrerinnen/Lehrern in Arbeitstagungen vorbereitet, die wechselseitig in Hamburg und Warschau stattfanden. Nach der Wende organisierte die DPG Hamburg auf Wunsch polnischer Partner Deutsch-Sprachkurse für polnische Lehrer/innen zunächst in Stettin/Szczecin und später auch an anderen Orten in Polen; für diese Kurse wurden Hamburger Lehrerinnen und Lehrer gewonnen, die diese Kurse in den Sommerferien kostenlos durchführten.

Ausgehend davon, dass die Gründungsphase der Gesellschaft sehr stark durch gewerkschaft-liche Jugendarbeit beeinflusst worden war, bestand insbesondere in den 70er Jahren der starke Wunsch, durch Jugendaustauschvereinbarungen eine Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der polnischen Jugend zu entwickeln. Entsprechende Initiativen liefen leider auf polnischer Seite immer wieder ins Leere. Während die Generation der Väter, die unter dem nationalsozialistischen Terror in unvorstellbarer Weise gelitten hatte, die Hand zur Aussöhnung und Verständigung ergriff, waren die Repräsentanten des Dachverbandes der polnischen Jugendverbände zu einem solchen Schritt, der die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft in Europa zum Ziele hatte, nicht zu bewegen.

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg in einer Vielzahl von einzelnen Initiativen Jugend- und Sportbegegnungen vermittelt und aktiv gefördert. Partner dieser Begegnungen waren der Hamburger Sportbund, der Hamburger Handballverband und Hamburger Sportvereine auf sportlicher Ebene und der Deutschen Hilfsgemeinschaft für Jugendbegegnungen. Das Bestreben bei diesen Aktivitäten war immer dauerhafte Austauschkontakte zu entwickeln, was allerdings leider nur in Ausnahmefällen gelang. Ein nachahmenswertes Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit zwischen dem Hamburger Handballverband und seinen polnischen Partnern in Krakau, die seit über 25 Jahren erfolgreich läuft.

Im Kulturbereich hat sich die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg trotz nur bescheidener finanzieller Mittel mit vielen Aktionen als Veranstalterin, Mitveranstalterin und Initiatorin einen Namen gemacht. Zahlreiche Ausstellungen von Bildern, Fotos, Plakaten, Karikaturen und polnischer Volkskunst, Theateraufführungen (wie das Teatr Stary Kraków, das Taubstummen-Pantomimentheater Olsztyn/Allenstein), Präsentationen von polnischer Folklore durch Tanz- und Gesangsensemblen (wie RESOVIA SALTANS) sowie von polnischem Weihnachtsbrauchtum aus den südostpolnischen Dörfern Nosówka, Brzoza Królewska, Blazowa und Albigowa, Dichterlesungen (u.a. Andrzej Szczypiorski Ende der 70er Jahre), polnische Filmreihen, Präsentationen polnischer Musik von Rock über Klassik bis zur Chormusik (u.a. der Warschauer Mädchenchor WIWAT) ziehen sich wie ein buntes Band durch die Geschichte der Gesellschaft und dokumentieren auch auf diesem Gebiet eine über Jahrzehnte erfolgreiche Arbeit.

Ein weiterer Schwerpunktbereich der Arbeit wurde mit einem Praktikanten-Programm geschaffen, über das in den 70er und 80er Jahren einer Reihe von jungen Architekten, Ingenieuren und Ärzten Praktika in der Hamburger Baubehörde bzw. in Hamburger Kranken-häusern ermöglicht wurden. Aus diesen Praktikumsaufenthalten haben sich Freundschaften entwickelt, die bis in die heutige Zeit fortdauern.

Die über fünfunddreißigjährige Tätigkeit der Gesellschaft war über die Jahre auch durch eine Vielzahl von humanitären Aktionen geprägt. Ausgehend von Spendensammlungen für das Gesundheitszentrum des Kindes in Warschau in den 70er Jahren über Medikamenten-Hilfsaktionen nach Danzig/Gdansk und Rzeszów und Bereitstellung medizinischer Apparate und Betten in den 80er/90er Jahren bis hin zu Aufrufen zu einzelnen Spendensammlungen für schwerstbehinderte Menschen in Polen in jüngster Zeit hat sich die DPG Hamburg immer wieder im humanitären Bereich engagiert. Mit Hilfe einer Spendensammlung unter den Mitgliedern der Gesellschaft und durch Bereitstellung weiterer Spendengelder durch den Norddeutschen Rundfunk konnten darüber hinaus 1997 zur Oderflut in Polen über 550.000 DM für die Beseitigung großer Schäden in Schulen und zur Wiederbeschaffung vernichteten Unterrichtsmaterials zur Verfügung gestellt werden. Diese Hilfe für sieben Schulen und ein Heim für behinderte Kinder wurde in Zusammenarbeit mit der polnischen Lehrergewerkschaft ZNP durch Vorstandsmitglieder der DPG Hamburg vor Ort vorbereitet und überwacht. Auch zur Linderung der Folgen der großen Flutkatastrophe an der mittleren Weichsel 2001 wurden in der Mitgliedschaft Spenden gesammelt, die in zwei Hilfsprojekte flossen, die von polnischen Partnern betreut wurden.

Zu den Vertriebenenverbände bzw. zu den Landsmannschaften gibt es keine Kontakte. Die Kontakte zur Hamburger POLONIA sind dagegen gleich nach der Gründung der Gesellschaft entwickelt worden und dauern mit unterschiedlicher Intensität bis in die heutige Zeit fort.

Während der Warschauer Vertrag gewissermaßen die "Initialzündung" für die Gründung der Gesellschaft gewesen ist, war die Ausrufung des Kriegsrechtes in Polen im Dezember 1981 ein tiefer Einschnitt für die Arbeit der DPG Hamburg. Mehr als ein Drittel der damaligen Mitglieder konnten das Kriegsrecht in Polen nicht akzeptieren und traten aus der Gesellschaft aus. Die politische Wende hatte die positive Folge, dass nicht nur der Hamburger Gesellschaft auf polnischer Seite endlich gleichgesinnte Gesellschaften als Partner zur Verfügung standen, auf die wir fast 20 Jahre warten mussten. Deshalb hat die DPG Hamburg insbesondere die Gründung der Polnisch-Deutschen Gesellschaften von Rzeszów (1989) und Bydgoszcz (2000) unterstützt, mit denen uns seit ihren Gründungen eine intensive Zusammenarbeit verbindet. Weitere enge Beziehungen bestehen zur Polnisch-Deutschen Gesellschaft Gdansk (seit 2001), zur Gesellschaft der Freunde Szczecins (seit Mitte der 80er Jahre), zur Universität Rzeszów (seit 1979), zur Fachhochschule Krosno - Fachbereich Germanistik in Jasło (seit 1995), zur Stadt Prudnik/ Neustadt (seit 1991) und zur Fachhochschule für Umwelttechnik in Bydgoszcz/Bromberg (seit 2000).

Die Schwerpunkte der Arbeit der DPG Hamburg liegen in der Durchführung von Vortrags- und Informationsveranstaltungen (auch als Veranstaltungsreihen) zu aktuellen und historischen Themen, in der Organisation von Studienfahrten für die Mitglieder (aber auch zur Mitgliederwerbung), in der Einladung von Studentinnen/Studenten zu Studienaufenthalten in Hamburg, in der Veranstaltung von Ausstellungen und Buchlesungen.

Ein besonderer Schwerpunkt bildete sich in der DPG Hamburg mit seinem Anfang der 90 er Jahre gegründeten Arbeitskreis "Umwelt und Ökologie" heraus. Verstärkt erwuchsen die Bemühungen um einen deutsch-polnischen Dialog, der die Umweltfragen und die ökologischen Zusammenhänge zum Themenschwerpunkt im Verhältnis zwischen Polen und Deutschland, zwischen Polen und Deutschen gemacht hat. Das Bedürfnis kam von beiden Seiten und fast gleichzeitig.

Der Arbeitskreis hat federführend die drei Deutsch-Polnischen Umweltkongresse in Szczecin/Stettin (1995), Hamburg (1998) und Bydgoszcz/Bromberg (2000) organisiert und inhaltlich stark geprägt. Entscheidend jedoch waren immer die gleichberechtigte und aktive Verständigung mit polnischen Partnern. Dadurch entstand ein breites Netzwerk zwischen Nicht-Regierungsorganisationen, Behörden und politischen Entscheidungsträgern auf kommunaler Ebene ebenso wie auf der Ebene des Europaparlamentes, was wiederum ermöglichte, viele Projekte binational erfolgreich anzugehen. Dies alles trug dazu bei, gemeinsame Interessen zwischen beiden Ländern und deren Menschen in einem sich vereinigenden Europa zu formulieren und beide Seiten auf den Beitritt Polens unter Umwelt-, Wirtschafts- und sozialen Gesichtspunkten vorzubereiten und ihren jeweiligen Beitrag zur Integration Polens in die EU zu leisten.

So wurde u.a. in Bydgoszcz im Jahre 2000 das "Ökologische Memorandum 2000" formuliert, das im Kern auch heute noch Gültigkeit hat. Es geht heute (im Jahre 2 des Beitritts) insbesondere um Probleme nachhaltigen Wirtschaftens und der Zukunftsfähigkeit z.B. der Landwirtschaft, des Bergbaus oder der Wasserwirtschaft. Die Umwelterziehung spielt dabei in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Der Arbeitskreis ist als Partner im deutsch-polnischen Umweltdialog und in der Planung und Durchführung von konkreten Umweltprojekten in Polen und auch in Deutschland anerkannt. Als herausragendes Beispiel sei an dieser Stelle die wunderbare Zusammenarbeit mit der "Stiftung für ökologische Kultur" mit dem Schloss Czarne/Jelenia Gora (Hirschberg) genannt, dass sich zu einem europäischen Begegnungs- und Umweltzentrum entwickelt.

Der Leitsatz, der speziell diese Arbeit begleitet und Kraft wie Geduld dafür spendet, lautet: vor Ort handeln - regional vernetzen - europäisch fühlen - global denken.

Die DPG Hamburg beteiligt sich über die deutsch-polnische Verständigung hinaus auch an ausgewählten Aktivitäten, die dem Frieden und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern dienen. Sie unterstützte die Demokratiebewegung in der Ukraine, indem sie den Appell der ukrainischen Jugend mit unterzeichnet hat.

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Rolle der Deutsch-Polnischen Gesellschaften vor und nach 1989/Blick in die Zukunft

Die Verbindungen der DPG Hamburg haben sich nicht nur auf die offiziellen Kontakte konzentriert, sondern waren durch eine Vielzahl zwischenmenschlicher Beziehungen geprägt, die sich über die Jahre entwickelt hatten. Diese Kontakte haben die Arbeit der verantwortlichen Vorstandsmitglieder maßgeblich bestimmt und dazu beigetragen, dass Ansätze von Resignation über mangelnde Unterstützung, versuchte Einflussnahme und Ignoranz nicht zur Aufgabe führten. Unser Leitsatz lautet vielmehr: Wer die Entwicklung der Beziehungen zwischen Polen und Deutschen fördern will, braucht einen langen Atem oder mit Stanislaw Jerzy Lec Aphorismus "Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen".

Während die Beziehungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg in der Zeit bis zur Wende in Polen mehr durch offizielle Kontakte (wie z. B. zum Polnischen Außenministerium, zur Presseagentur Interpress, zum West-Institut Poznań, zur Front der Nationalen Einheit u.a.) bestimmt waren, entwickelte sich die Zusammenarbeit nach 1989 - wie schon dargestellt - in erster Linie in Richtung von gesellschaftlichen Vereinigungen mit gleichen Zielsetzungen.

Selbstverständlich haben die gegenwärtig leider immer noch zu spürenden Verstimmungen auch die Arbeit der DPG Hamburg beeinflusst; dies ist sowohl allgemein bei unseren Veranstaltungen, aber insbesondere bei einem Mitgliedergespräch zum Thema "Zentrum gegen Vertreibungen" im März 2004 deutlich geworden. Viele Mitglieder empfinden die Aktivitäten aus Kreisen der Vertriebenen als unerträgliche Provokation, die das deutsch-polnische Verhältnis stark belastet. Dies gilt insbesondere für die unverantwortlichen Aktivitäten der "Preußischen Treuhand" mit ihren Grundstücks- und Vermögensansprüchen gegenüber Polen. Die Menschen, die sich seit Jahrzehnten für die Aussöhnung und Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen einsetzen, treffen diese zweifelhaften Initiativen besonders schmerzlich.

Die DPG Hamburg hat gemeinsam mit anderen Bürgerinitiativen gleicher Prägung sicherlich maßgeblich dazu beigetragen, dass das deutsch-polnische Verhältnis sich nach der Wende so positiv entwickelt hat. Sie hat in ihrer über 30jährigen Geschichte durch ihre zahlreichen Veranstaltungen vieltausendfach den Dialog zwischen den Menschen beider Länder ermöglicht, so dass gegenseitig bei vielen Menschen Vorurteile abgebaut und Vertrauen geschaffen werden konnten. Dieses Vertrauen bildet die Grundlage für ein friedvolles Miteinander in der Zukunft.

Das Interesse an Polen als Mitglied der Europäischen Union ist ohne Zweifel stärker geworden; das lässt sich nicht nur ganz allgemein feststellen, sondern wird auch bei bestimmten Aktivitäten der DPG Hamburg deutlich. So finden beispielsweise die von der Gesellschaft organisierten Studienfahrten seit mehreren Jahren wieder ein steigendes Interesse. Der Besuch unserer Informations- und Diskussionsveranstaltungen hingegen könnte - von Ausnahmen abgesehen - besser sein.

Ein Traum ist am 1. Mai 2004 Realität geworden - Polen ist Mitglied der Europäischen Union und hat den Platz gefunden, den es für sich selbst immer gesehen hat, nämlich als Land im Zentrum Europas. Mit den anderen Beitrittsländern beginnt für Polen, für Deutschland und für Europa nun eine neue Zeit:

  • eine Zeit, die alle Menschen in Europa vor neue Herausforderungen stellt,
  • eine Zeit, die durchaus auch noch manche Probleme mit sich bringt, die wir gemeinsam bewältigen müssen,
  • eine Zeit, in der es auch noch so manchen Stolperstein zu beseitigen gilt, wenn die deutsch-polnische Nachbarschaft sich weiter entwickeln soll,
  • aber auch eine Zeit, die uns vielfältige neue Chancen im zwischenmenschlichen Miteinander, in der wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Entwicklung bietet, die wir nutzen sollten.

Eine gute Zusammenarbeit und die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Menschen unserer beiden Länder muss sich im täglichen Leben immer wieder aufs Neue bewähren.

Deshalb müssen wir die Arbeit unserer Gesellschaft mit ihrer vielfältigen Bandbreite von Informationsveranstaltungen über Studienfahrten bis zu verstärktem Austausch von Hamburger und polnischen Schulen und Arbeitsprogrammen für polnische Studentinnen und Studenten in Hamburg mit gleicher Intensität fortsetzen wie bisher.

Für die weitere friedliche Entwicklung auf unserem Kontinent ist es von großer Bedeutung, dass sich alle Länder Europas an dieser Entwicklung beteiligen können, wenn sie es wollen. Die jüngste Entwicklung in der Ukraine macht sehr deutlich, welche große Bedeutung die Europäische Union auch für die demokratische Entwicklung eines Landes hat, das seinen Platz in der Völkergemeinschaft offensichtlich noch sucht. Gerade wegen des starken Engagements der DPG Hamburg in der südostpolnischen Region Podkarpackie seit Ende der 70er Jahre beobachten wir diese Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit.

Anmerkung Dem Arbeitspapier IX der "Kopernikus-Gruppe" "Sorge um die deutsch-polnischen Beziehungen. Bedarf an Vernunft" ist nach Auffassung der DPG Hamburg im übrigen nichts hinzuzufügen. Es macht die Fehler der Politik deutlich, nicht rechtzeitig präventiv tätig geworden zu sein, obwohl es Hinweise auf eine Polarisierung der jetzt noch zusätzlich von manchen Medien "hoch gekochten" Probleme gegeben hat. Der verantwortungslosen Handlungsweise mancher Medien muss wesentlich entschiedener begegnet werden als bisher, auch durch Nennung der "Brandstifter", die ein gefährliches populistisches Spiel betreiben.

Von Gerd Hoffmann (Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzende der DPG-Hamburg)

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